Samstag, 19. November 2011

Rape – Rape CS f-59 Filth & Violence

Bei dem Label Filth & Violence ist der Name Programm. Mit dem Release (Nummer #59) des deutschen Projekts namens Rape (oder RxAxPxE)  treffen wieder beide Teile des finnischen Labelnamen zu: Filth and Violence. Ausgeholfen hat der finnische Starmusiker Pasi Markkula (Filth & Violence, Bizarre Uproar und gefühlte 1.000 andere Sachen). Das Artwork zeigt die Richtung, wohin die Musikalische Reise gehen soll. Ein schwarz-weiß kopierter Einleger mit nur spärlichen Informationen. Typisches DiY-Prinzip, was hier voll aufgeht. Man kennt es zudem von F&V nicht anders, selbst das Vinyl wird in gleicher Art ausgeliefert. Das Frontbild zeigt die Beine einer Frau, die wohl vergewaltigt oder zusammengeschlagen wurde. Genau sagen kann man es nicht, die Beine sind von Blutergüßen übersät. Die  Rückseite zeigt einen Ausschnitt aus einem Gemälde einer mittelalterlichen Folterszene. Das Innenbild dagegen kann ich beim besten Willen nicht interpretieren. Eine für den Power Electronics typische Gewaltorgie. 
Der Sound ist dreckig, man hört monotones Gewummere, gemischt mit verzerrtem Rauschen und vereinzelten Rückkopplungen, alles unterlegt mit wütendem Geschrei. Die Welt in "Filth-City" ist einfach noch in Ordnung. Leider ist das Ganze viel zu schnell und extrem aprupt vorbei. Auf beiden Seiten ist zudem die gleiche Musik gespielt, sodass man sich das Zurückspulen des Tapes ersparen kann. Im Gegensatz zu der vorherigen Demo-CDR von RxAxPxE sind hier keinerlei Grindcore-Einflüße oder rythmische Noise-Tracks enthalten. Man ist beim reinen Power Electronics angekommen. 
Das Tape ist (logischerweise) wieder limitiert und über Freak Animal, F&V oder vom Künstler direkt erhältlich. Für alle interessierten Noise/Power Electronics-Hörer ist das Tape sicherlich eine interessante Anschaffung, allerdings wird hier nichts Neues erfunden, sondern Altbewährtes nochmals neu präsentiert. 
 
Interview mit Ponti FX (P) geführt von aske (A):
A: Stell mal bitte dein Projekt vor.

P: RxAxPxE wurde 2005 gegründet mit dem Ziel musikalische und ästhetische Extreme auszuloten. Zu Anfang war der Sound noch sehr Beat-bezogen und tendierte wohl eher in Richtung Speedcore mit Grind-Einflüssen. In der Folge erschienen eine ganze Reihe von Tonträgern, wobei es sich vornehmlich um Split-Veröffentlichungen handelte, unter anderem mit ABSURDGOD (Jap.), COCKGUNBLAST, NOISECONCRETE und INTESTINAL DISGORGE. 2010 wurde dann das erste Full-Length-Album namens "Droning Disdain" veröffentlicht, das mittlerweile musikalisch komplett in eine andere Richtung ging und wohl am ehesten als Old School Industrial beschrieben werden könnte. 
Anschließend gab es noch ein Split Tape mit EN NIHIL und das "Rape"-Tape auf Filth&Violence. Beide letzteren Releases gingen wiederum in eine komplett andere Richtung als "Droning Disdain" und sind wohl eher in der Power Electronics/Noise-Ecke anzusiedeln. Wie man sieht, änderte sich der RxAxPxE-Sound stetig und war von Release zu Release unterschiedlich. Das hängt mit meinen persönlichen musikalischen Vorlieben zusammen, die auch stets im Wandel sind. Ich betrachte diese Wandelbarkeit aber durchaus als eine gute Sache. Projekte, die auf jedem Release gleich klingen und sich immerzu kopieren, braucht kein Mensch.

A: Was fasziniert dich so sehr an Grindcore und Power Electronics?

P: Ich denke beide Musikrichtungen haben durchaus Gemeinsamkeiten. Für mich sind das die Ehrlichkeit und die Energie, die transportiert wird. In ähnlicher Form sind diese Merkmale aber sicherlich auch bei einigen erlesenen Black Metal Bands zu finden. Trotzdem bin ich nicht auf diese Musikrichtungen beschränkt.

A: Woher kommt bei dir der Sprung von Grindcore zu Power Electronics
oder ist das eher
eine fließende Sache?

P: Ich denke eher Zweiteres. Als "Sprung" würde ich den musikalischen Wandel nicht bezeichnen, vor allem auch nicht, weil eben auch schon in den Anfangszeiten jedes Release grundlegend anders klang als das vorangehende und das nachfolgende. Der Power Electronics
-Bezug seit "Droning Disdain" erschien logisch, war aber nicht geplant.
A: Woher kommt die Faszination von dem Ganzen (Rape, S/M, Mutilation,
Splatter)?


P: Herabwürdigung und Gewalt sind grundlegende Charakterzüge des Menschen. Insoweit müssen sie gut sein, oder?

A: Wofür machst du diese Musik, ist da eine Aussage hinter oder ist das
eher so eine spontane "just for fun"-Sache?


P: Mit "just for fun" hat RxAxPxE sicherlich nichts zu tun und es gibt selbstverständlich hinter jedem Release eine Aussage, die man in der Kombination aus Titel, Lyrics und Coverart finden kann, aber die zu interpretieren Sache des Hörers ist.

A: Power Electronics
glänzt mit Provokation, inwieweit ist das Ernst gemeint und inwieweit lediglich "reine Provokation" zur Unterhaltung?

P: Ich kann natürlich nicht in die Hirne der Kollegen hineinsehen. Doch will ich hoffen, dass vieles ernst gemeint ist. Das macht die Sache doch erst interessant. Wer will denn "Fake-Musik" hören? Schwierige und unbequeme Themen aufzugreifen um der Gesellschaft gewissermaßen den Spiegel vorzuhalten halte ich für unnötig, unnütz und pseudo-intellektuell. Meines Erachtens ist das nur eine Ausrede um sich selbst über die Anderen zu erheben und sich moralisch abzusichern. Sehr armselig.

A: Siehst du einen künstlerischen Anspruch in der Arbeit oder denkst du
eher, dass das eine Ausrede vieler Musiker ist um nicht auf ihre
Interessen festgenagelt zu werden?


P: Als "Musiker" würde ich mich nicht bezeichnen. Für mich geht es im PE/Noise nur um Stimmungsvermittlung und den Transport von Emotionalität. Dass das mit Musik im ursprünglichen Sinn, die in meinen Augen alleine der Unterhaltung dient, nicht viel zu tun hat und nach mehr Beschäftigung und Partizipation verlangt, macht das Genre gerade so interessant und qualifiziert es gleichzeitig als Kunst. Allerdings eine Form von Kunst, die weit über die klangliche hinausgeht.

A: Für wen machst du die Musik? Für Leute mit gleichen Hörgewohnheiten
und Interessen oder für die Allgemeinheit um diese zu schocken oder
"wachzurütteln"?


P: In erster Linie mache ich Musik für mich selbst. Natürlich freue ich mich wenn Leuten die Kombination aus Klang und Inhalt gefällt und sich Labels für Veröffentlichungen finden, doch im Endeffekt würde ich auch weitermachen wenn sich kein Mensch dafür interessieren würde. Es geht hier um Befriedigung.

www.rxaxpxe.de

http://www.discogs.com/RAPE-RAPE/release/3095371

 

Keine Kommentare:

Kommentar posten